Biopsychologische Forschung in der Psychotherapie
Unsere Forschung in der biologischen Psychologie verbindet moderne Psychotherapieforschung mit innovativen neurobiologischen und psychophysiologischen Ansätzen, um die biologischen Grundlagen psychischer Belastungen – insbesondere depressiver Störungen – besser zu verstehen. Dabei konnten wir in mehreren Studien zeigen, dass depressive Erkrankungen mit Veränderungen zentraler Stress- und Regulationssysteme einhergehen, darunter die HPA-Achse, das Endocannabinoid-System sowie hormonelle, immunologische und zellmechanische Prozesse. (Walther et al., 2019, 2022, 2023, 2025 - Depressionsstudien zu Zellverformbarkeit, HPA-Achse und Endocannabinoidsystem bei Erwachsenen und Kindern).
Ein Schwerpunkt unserer Forschung lag zuletzt auf der Untersuchung biologischer Stressmarker wie Cortisol und Anandamid (AEA), einem zentralen Endocannabinoid, das wesentlich an Stressregulation, Emotionsverarbeitung und Resilienz beteiligt ist. In longitudinalen Kohortenstudien konnten wir zeigen, dass depressive Symptome mit reduzierten Haar-Anandamid- und Cortisolwerten assoziiert sind und dass insbesondere Veränderungen des Endocannabinoid-Systems eng mit der Entwicklung depressiver Symptomatik zusammenhängen. Diese Forschungslinie konnten wir kürzlich auch auf Kinder und Jugendliche übertragen, wo sich reduzierte Anandamid- und Cortisolkonzentrationen als vielversprechende biologische Marker depressiver Erkrankungen erwiesen.
Darüber hinaus untersuchen wir innovative biologische Mechanismen psychischer Erkrankungen auf zellulärer Ebene. So konnten wir erstmals zeigen, dass depressive Störungen mit einer erhöhten Deformierbarkeit peripherer Immun- und Blutzellen einhergehen, was auf tiefgreifende Veränderungen immunologischer und entzündungs-bezogener Prozesse bei Depression hinweist. Diese Arbeiten verbinden moderne KI-gestützte Zellanalytik mit klinischer Psychotherapieforschung und eröffnen neue Perspektiven für die Entwicklung biologischer Marker psychischer Erkrankungen.
An der Universität Graz, im Arbeitsbereich Psychotherapie und Psychotherapieforschung (Verhaltenstherapie), werden wir diese Forschungslinie gezielt weiter ausbauen. Zukünftige Projekte umfassen unter anderem Studien zur Rolle der Testosteronsupplementation und hormoneller Regulationssysteme bei Männern mit depressiven Symptomen sowie hoch innovative sozial-neurobiologische Studien zur Verbesserung interpersoneller Fähigkeiten, sozialer Verbundenheit und emotionaler Regulationsprozesse bei psychisch belasteten Männern mittels Oxytocinsupplementation. Ziel ist es, psychotherapeutische Prozesse künftig stärker mit pharmakologischen Ansätzen zu verbinden und damit einen wichtigen Beitrag zu einer präzisionsorientierten und personalisierten Psychotherapie zu leisten.